26.06.2010
BROOKS-Münster-City-RUN neu vermessen - Auf den Punkt genau 5 Runden!

Drei Jahrzehnte im Dienste der Vermessung
Seit fast drei Jahrzehnten vermisst Jürgen Jendreizik (nebenstehendes Foto) Laufstrecken, damit sie dann vom Deutschen Leichtathletikverband das Zertifikat einer amtlich vermessenen Laufstrecke erhalten können und somit die erbrachten Leistungen auch Eingang in die Bestenlisten finden.
1991 nahm er an einem Ausbildungslehrgang in Rodenbach teil und erwarb 2005 die B-Lizenz, um nach den IAAF-Area Richtlinien (International Assoziation of Athetics Federation) Strecken vermessen zu dürfen. Seither darf er sich "International Road Course Measure B" nennen. Mit Stolz verweist er darauf, dass er sieben Prozent aller Strecken in Deutschland vermessen hat.
Alte Leeze mit Jones Counter
Jendreizik arbeit sehr akribisch. Sein 26er Damenrad (nebenstehendes Foto), an dem die Messvorrichtung, der sogenannte Jones Counter, am Vorderrad montiert ist (Foto darunter), scheint ihn schon all die Jahrzehnte zu begleiten. Es wirkt etwas antik. Doch wenn Jendreizik in die Pedale tritt, ist er schnell bei 23 Stundenkilometern angelangt. Eine Schaltung hat das Rad nicht.
Der Vermessungsvorgang
Eine Vermessung beginnt mit der Eichung des Jones Counters. Eine 1000-m-Strecke wird mit dem Bandmaß vermessen. Diese Distanz ist viermal mit dem Eichfahrrad abzufahren, um mögliche Ungenauigkeiten auszuschließen. Der Counter misst nicht in Metern, sondern in Einheiten, die am Ender aller Messungen erst in Meter umgerechnet werden. So weiß man während der Messung nie genau, wieviel Meter man schon hat.
Anschließend wird die Strecke in verschiedene Messabschnitte, die jeweils mit einem Vermessungsnagel markiert werden, aufgeteilt. Die Teilabschnitte werden danach mehrfach auf dem jeweils kürzesten Weg abgefahren. Ist die Abweichung der gemessenen Werte zu groß, wird die Prozedur wiederholt.
Nach und nach werden so alle Teilabschnitte gemessen. Das Aufteilen in Teilabschnitte wird vorgenommen, da so mögliche Ungenauigkeiten in der Messung minimiert werden.
Auswertung mit moderner Technik
Sind alle Teilergebnisse erfasst worden, beginnt die Auswertung. Die Daten werden in den Computer in eine Excel-Tabelle übertragen (zweites Foto von untern). Hier hat bei Jendreizik, im Gegensatz zum Rad, die neue Technik Einzug gehalten. In den Anfangsjahren genügte noch ein Schreibblock, ein Stift und ein Taschenrechner. Heute hilft die Technik beim Rechnen.
Das Übertragen der Daten ist der spannenste Moment. Danach weiß man genau, wie lang die ausgesuchte Strecke ist und wie weit man den Start vom gedachten Startpunkt noch verschieben muss.
Punktlandung in Münster
Bei der heutigen Messung gab's eine Punktlandung. Eine Verschiebung war nicht nötig. Jendreizik konnte sich nicht erinnern, dass dies schon mal gleich beim ersten Anlauf geklappt hätte. Auch ein so erfahrener Vermesser erlebt noch Premieren.
Protokoll an den Verband
Damit ist die Arbeit noch nicht beendet. Von der Vermessung wird ein Protokoll erarbeitet, in dem alle erfassten Daten enthalten sind. Dieses Protokoll wird dem Leichtathletikverband zugeleitet, der dann die Vermessung bestätigt und die vermessene Strecke in eine Datenbank ablegt.
Alle amtlich gültig vermessenen Strecken in Deutschland kann man auf der Seite des DLV nachschauen. Die /hier/ veröffentlichte Datei gibt den Stand vom 31. Mai 2010 wider. Die Datei wird in unregelmäßigen Abständen aktualisiert.
Einparken
Bevor Jürgen Jendreizik mit seiner Arbeit beginnen konnte, musste er millimetergenau in eine etwas klein bemessene Parklücke rangieren. Auch hier bewies er, dass er akribisch auf den Zentimeter genau agiert.
Ein paar Bilder von der Vermessung findet man /hier/ in der Bildergalerie.
Das nachstehende Foto zeigt die Start- und Zielline auf dem Prinzipalmarkt, die sich ziemlich genau in Verlängerung der Ecke des Stadtweinhauses befindet. Der Pfeil gibt die Laufrichtung an.




